Volatile Liquiditätskosten als Teil der Zinsmarge
Lange fielen Liquiditätskosten nicht sehr ins Gewicht. 2022 haben sie sich im Gesamtmarkt stark erhöht und schwanken mittlerweile zudem stark. Zwischen den Instituten bestehen große Unterschiede, da bei der Kalkulation dieser Kosten die Bilanz und Geschäftsstrategie eine maßgebliche Rolle spielen. Im Folgenden erläutern wir die Situation auch anhand von Beispielfällen aus unserer Praxis und geben Hinweise, wie Immobilienanleger mit den gestiegenen Liquiditätskosten umgehen können.
- Ankaufsfinanzierung Wohnen Neubau, > 30 Mio. EUR FK Volumen für 10 Jahre, Zinsmarge 100 BP, LTV 80%, Zins-Fixing mit Unterzeichnung Termsheet
- Portfoliofinanzierung Nahversorger Ankauf, > 100 Mio. EUR FK für 10 Jahre, LTV ca. 45%, Kreditmarge 80 BP und Liquiditätskosten 100 BP, somit Zinsmarge 180 BP, Zins-Fixing erst kurz vor Auszahlung möglich
- Ankaufsfinanzierung Nahversorger Neubau, <10 Mio. EUR FK Volumen für 5 Jahre, LTV ca. 50%, Zinsmarge 81 BP, reserviert mit Abgabe Termsheet
- Bestandsfinanzierung Pflege, < 10 Mio. für 7 Jahre, LTV ca. 50%, 111 BP Zinsmarge, Fixing mit Annahme Termsheet
- Im Vergleich zu den Jahren vor 2022 sind die Kredite nicht nur aufgrund der stark gestiegenen Einstände, sondern auch aufgrund der Liquiditätskosten sehr viel teurer geworden
- Der häufig praktizierte Vergleich der „Zinsmargen“, i.e. des Abstands zwischen Einstand (i.d.R. ermittelt über die Swapkurve) und angebotenem Nominalzins, ist nicht geeignet, um eine Aussage über die Entwicklung der eigentlichen Bankmarge zu geben. Der Eindruck, dass viele Banken ihre Margen ausgeweitet hätten, ist wohl meist auf diese vereinfachende Sicht zurückzuführen
- Welche Liquiditätskosten ein Institut in Anschlag bringt, ist für die Kondition oft bedeutender, als die Höhe der Kreditmarge – dies zumal bei Finanzierungen mit niedrigen Kreditmargen wie Fondsfinanzierungen mit moderatem Leverage oft nur noch wenig Spielraum für Zinssenkungen besteht
- Fixiert eine Bank zwar die Kreditmarge, aber nicht den Einstand und die Liquiditätskosten, kann der Gesamtzins aktuell in wenigen Wochen um mehr als 50 BP schwanken.
- Die gewählte gedeckte Zinskurve für den gedeckten Anteil (i.d.R 60% des Beleihungswerts)
- Die gewählte ungedeckte Zinskurve für den Rest
- Aufschläge, um das Risiko von impliziten Optionen mit Auswirkung auf den Cashflow des Kredits abzubilden (z.B. früherer Abruf von Mitteln oder Rückzahlungen)
- Kosten der Liquiditätsreservebildung
- Kosten, um die Net Stable Funding Ratio zu erfüllen bzw. Risiken für die Erfüllung der Ratio adäquat zu bepreisen
Quellen: Deutsche Bundesbank, Infront
Die blaue Kurve zeigt, dass die Zinsen für Pfandbriefe am 30.12.2020 nur geringfügig über den Swapzinsen lagen. Diese Differenz hat sich zum 30.12.2022 (graue Kurve) am mittleren und langen Ende merklich erhöht. Bei der 10jährigen Laufzeit stieg sie von 28 von 39 BP, bei der 5jährigen von 27 BP auf 34 BP. Durch die Verspannungen am Markt infolge der Krisen amerikanischer Institute und der Credit Suisse sind die Spreads Mitte März (rote Kurve) in allen Laufzeiten sehr stark angestiegen. Die grüne Kurve zeigt, dass der Abstand zu Mitte April aber sehr schnell wieder gesunken ist, so dass er mittlerweile ab 5 Jahren Laufzeit wieder unter dem Niveau vom Jahresende 2022 liegt. Der Verlauf der Kurven über die Zeit verdeutlicht die hohe Volatilität, die derzeit am Refinanzierungsmarkt beobachtet wird.
Diese Verhältnisse lassen sich nicht 1:1 auf die ungedeckte Finanzierung übertragen, aber sie eignen sich als einfach beobachtbarer Indikator, in welche Richtung und mit welcher Intensität sich die Liquiditätskosten verändert haben. Wie oben ausgeführt, legt jedes Institut individuell seine Liquiditätskosten vor dem Hintergrund seiner eigenen konkreten Finanzierungsquellen und Anlagemöglichkeiten fest.